Entdeckung einer neuen Schmetterlingsart im Deutsch-Chinesischen Jahr

Chinesische und deutsche Wissenschaftler haben während einer Schmetterlingsexpedition im Rahmen des „Deutsch-Chinesischen Jahres der Wissenschaft und Bildung 2009/2010“ im Süden der Volksrepublik eine neue Schmetterlingsart gefunden. Sie ist die erste bekannte Art aus der Gruppe der Ameisenbläulinge, die in Bergwäldern vorkommt.

Phengaris xiushani "Xiushan's Ameisenbläuling", die neue entdeckte Art (3: Männchen Oberseite, 4: Unterseite; 5: Weibchen Oberseite, 6: Unterseite).
Foto: Prof. Min Wang/South China Agricultural University, Guangzhou

Die neue Art aus dem Nord-Westen der Provinz Yunnan wurde von Prof. Min Wang von der Südchinesischen Agrar-Universität in Guangzhou und Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle entdeckt und erhielt den wissenschaftlichen Namen Phengaris xiushani, was mit „Xiushan’s Ameisenbläuling“ übersetzt werden kann. Mit dem Namen wird der Wissenschaftler Dr. Xiushan Li geehrt, der sich um die Zusammenarbeit der Schmetterlingsforscher in Deutschland und China verdient gemacht hat.

Die Ameisenbläulinge gehören zu den am intensivsten untersuchten Tagfaltern in Eurasien, was unter anderem auch an ihrer “obskuren” Biologie und Ökologie liegen dürfte. Zum einen hängen sie von bestimmten Pflanzen als Nahrung für die Raupen ab – was allein betrachtet noch nicht so sehr ungewöhnlich ist. Aber viele der bekannten Arten leben die längste Zeit ihres Lebens als Raupen in Nestern einer bestimmten Ameisenart von der Ameisenbrut. Diese extreme Spezialisierung macht sie sehr anfällig gegenüber Veränderungen bei Landnutzung und Klima.

Die Entdeckung der neuen Art kam relativ überraschend, da diese Schmetterlingsgruppe als gut erforscht galt. Die europäischen Arten sind aufgrund ihrer Relevanz als Schutzobjekt im Rahmen der FFH-Richtlinie unter dem Namen Maculinea sehr bekannt geworden. Allerdings ist im Gegensatz dazu das Wissen über diese Tiere in China noch begrenzt. Daher ist bisher auch nichts zur Ökologie der neuen Art bekannt - außer, dass sie in ungestörten Bergwäldern vorkommt, wo sie auf rund 3000 Meter Höhe entdeckt wurde. Allein dadurch unterscheidet sie sich aber schon von allen anderen Ameisenbläulingen, da diese bislang nur von Grasländern wie Wiesen und Weiden bekannt sind.

Entdeckt wurde die Art im Rahmen eines Chinesisch-Deutschen Workshops zum Schutz von Schmetterlingen, der im Dezember 2009 in Guangzhou in Südchina stattfand. Diese Veranstaltung war Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten und unterstützten Projektes LepiPub im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahres der Wissenschaft und Bildung. Die Studie wurde zudem teilweise unterstützt durch die Chinesische National Nature Science Foundation und das FP 6 BiodivERsA-Projekt CLIMIT (Climate change impacts on insects and their mitigation). Referenz-Exemplare (die sogenannten “Typen”) wurden hinterlegt in der Entomologischen Sammlung der Südchinesischen Agrar-Universität von Guangzhou und dem “Senckenberg Museum für Tierkunde” in Dresden.

Der Name der neuen Art wurde aus dem chinesischen Wort „Xiushan“ abgeleitet, das so viel bedeutet wie „schöner Berg”. Dies beschreibt zum einen das Bergwaldgebiet in dem die Art gefunden wurde und ist zum anderen zugleich der Vorname des Wissenschaftlers Dr. Xiushan Li, der einige Jahre am UFZ arbeitete und der die beiden Autoren der vorliegenden Neuentdeckung zusammenbrachte. Ihm ist diese Art gewidmet, da er sich zu einem hohen Maße der Erforschung der Biodiversität Chinas, speziell der Ökologie und dem Schutz der Schmetterlinge, verschrieben hat – was erst vor kurzem wieder durch eine neue Fachpublikation belegt wurde.

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Dr. Josef Settele
Helmholtzzentrum für Umweltforschung
josef.settele@ufz.de