Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt – die 1. Fraunhofer Travelling Conference in China

Vertreter sechs deutscher Fraunhofer-Institute reisten vom 09. - 16. November 2009 nach China, um mögliche Partner für anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu innovativen Wassertechnologien zu gewinnen. Doch es ist ein langer Weg von der Forschungsidee zum fertigen Produkt.

Eines vorweg:  Die Aufgabe von Fraunhofer liegt darin, ihren Auftraggeber auf dem Weg von der Idee zum marktreifen Produkt ein Stück weit zu begleiten. Ein Weg, der in China noch recht unbeschritten ist.

Fertige Lösung versus Forschungsprojekt

Die Notwendigkeit, Wasser effizient und nachhaltig zu nutzen, wird von chinesischer Seite klar erkannt. Entsprechend groß ist der Bedarf an Lösungen und den dazugehörigen technologischen Innovationen. Das entsprechende Know-how, wie etwa zur elektrochemischen Wasserbehandlung, zerstörungsfreien Rohrleitungsprüfung, Klärschlammbehandlung mit Ultraschall oder IT-gestütztem Wasserressourcenmanagement, hatten die Fraunhofer-Institute für anwendungsorientierte Forschungsprojekte im Reisegepäck. Dennoch wird, wie so oft, der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung Vorrang gegeben. Chinesische Interessenten erwarten, so das erste Fazit der Reise, in der Regel entweder sofort einsetzbare Lösungen oder reine Forschungskooperationen – die Brücke zwischen Forschung und Produkt, also einer Auftragsforschung nach Fraunhofer-Modell, muss erst noch gebaut werden.

Forschungszusammenarbeit ausgeweitet

In wissenschaftlicher Hinsicht war man sich schnell einig. So plante das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) einen Wissenschaftleraustausch mit der Ningbo University. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen dem Fraunhofer Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik (IGB) und dem China National Electric Apparatus Research Institute (CEI) zum Thema Dezentrale Abwasserbehandlung, ein Projekt, das bereits im Vorfeld der Travelling Conference angebahnt wurde.

Zukunftsthema: dezentrale Wasserinfrastruktur-Systeme

Basierend auf den Erfahrungen der Travelling Conference erarbeiten die Fraunhofer-Institute derzeit Projektvorschläge für dezentrale Wasserinfrastruktur-Systeme, die aufgrund ihrer hohen Flexibilität als Zukunftsträger einer nachhaltigen Wassernutzung gelten. Statt hoher Investition in weitläufige, schwer sanierbare Rohrleitungsnetzwerke, erlauben sie etwa die bedarfsgerechte Nutzung von kleineren Rohren, erleichtern die Trennung, Behandlung und Wiederverwertung von Wasser und anderen Rohstoffen, lassen sich leicht sanieren, modernisieren und erweitern – all das bei vergleichsweise geringem und günstigem Aufwand. Besonders in China würden solche dezentralen Systeme helfen, Wasser effizient und nachhaltig zu nutzen: Zum einen, weil die zentrale Wasserinfrastruktur mit dem rasanten Wachstum kaum Schritt hält, zum anderen weil gerade in trockenen ländlichen Gebieten, Hochhaussiedlungen oder Industriegebieten dezentrale Wasserinfrastruktur-Systeme eine effiziente Nutzung der Ressourcen ermöglichen. Ob bei Kleinstabwasseranlagen oder Industrieabwasser, der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung und Implementierung integrierter Konzepte, die Wasser und Energie nachhaltig nutzen und Rohstoffe recyceln.
Wie heißt es in China so schön: „Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“. Diesen sind die Fraunhofer-Institute bei der 1. Travelling Conference zum Thema Wasserinfrastruktur-Systeme gegangen. Eine zweite Reise ist geplant – wieder unter Motto: Zusammen auf dem Weg des Wissens. Die Travelling-Conference wird seitens des Deutsch-Chinesischen Jahrs der Wissenschaft und Bildung 2009/10 gefördert.

Hotlines

  • Dr. Meret Krämer

    • Fraunhofer Gesellschaft
    • E-Mail-Adresse: meret.kraemer@zv.fraunhofer.de