Pioniere der Zukunft – das CAS-MPG-Partnerinstitut in Shanghai

Vor über 30 Jahren begann die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ihr wissenschaftliches Netzwerk bis nach China auszudehnen – wie tragfähig und zukunftsweisend es heute ist, zeigt das von der MPG und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) geführte „CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology (PICB)“ in Shanghai. Im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahres der Wissenschaft und Bildung 2009/2010 präsentierten die Partner ihre Erfolge bei einem Symposium in Deutschland.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des PICB traf vom 21. bis 23.9.2009 in Berlin und Potsdam die deutsch-chinesische Wissenschaftselite der Bioinformatik zusammen. In den ehrwürdigen Räumlichkeiten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stellten die  Partner CAS und MPG zunächst ihr Institut vor – von den Anfängen vor weit über 30 Jahren über das Zusammenwachsen zweier unterschiedlicher Forschungswelten bis hin zur Gründung des PICB im Jahr 2005 und den heutigen Forschungsfeldern. Bei der daran anschließenden Fachtagung zum Thema „Future of Computational Biology“ kamen in Potsdam rund 100 deutsche und chinesische Wissenschaftler des PICB und weiterer renommierter Forschungseinrichtungen zusammen und richteten ihren Blick bei über 25 Fachvorträgen nicht nur in die tiefsten Schichten des Lebens, die Genome, sondern auch in die Zukunft. Dank der Erkenntnisse über Genome und deren Interaktion und nicht zuletzt auch dank der ebenso interdisziplinären wie internationalen Forschungskooperation lassen sich vielleicht schon bald neue Reissorten entwickeln, Krankheiten behandeln oder sogar Alterungsprozesse aufhalten.

Forschung auf Elite-Niveau

Die Teilnehmer des Symposiums „Future of Computational Biology“ in Potsdam
Foto: BMBF

Ob Proteomik, der Erforschung aller Proteine in einer Zelle, einem Gewebe oder einem Organismus, molekulare Evolution menschlicher Population oder regulatorische Genomik – im PICB gehen an die 100 Forscher den Molekülen auf den Grund, untersuchen anhand computergestützter Methoden deren Interaktionen und Kommandostrukturen, um letztlich Lebensvorgänge als Ganzes zu verstehen. Das PICB in Shanghai unterhält derzeit vier Abteilungen: das „Department for Combinatorics and Geometry“ (Leitung: Prof. Andreas Dress), das „Department for Computational Genomics“ (Leitung: Prof. Li Jin), „Department for Regulatory Genomics“(Prof. Martin Vingron) sowie das „Department for Biophysics“(Leitung: Prof. Klaus Gerwert). Nach dem Modell der Selbständigen Nachwuchsgruppen der MPG arbeiten derzeit vier unabhängige, auf fünf Jahre befristete Forscherteams an relevanten Zukunftsthemen. So erforscht Philipp Khaitovich mit seiner 17-köpfigenGruppe die molekularen Mechanismen, die dem Alterungsprozess bei Menschen und Menschenaffen zugrunde liegen. Frauke Gräter untersucht mit ihrem Nachwuchsteam „Proteinmechanik und Evolution“ die treibenden Kräfte von Mechanik und Biochemie auf molekularer Ebene. Mechanismen, die das Wachstum von Blättern und die Photosynthese beeinflussen,gehen Zhu Xinguang und sein Team auf den Grund. Yan Jun und sein Team erstellen großangelegte Computeranalysen von Erbgutinformationen, um beispielsweise das Phänomen des Winterschlafs zu verstehen. Die Forschungsgruppen werden gemeinsam aus Mitteln der CAS und des BMBF finanziet und sind in die Projektkoordination der MPG eingebunden.

Räumliche Distanz, Sprachbarrieren, zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – all das muss kein Hindernis für gemeinsame Forschung sein. Im Gegenteil, andere Denk- und Herangehensweisen führen zu neuen Erkenntnissen, insbesondere wenn sich so renommierte Partner wie die Max-Planck-Gesellschaft und die Chinese Academy of Sciences zusammenschließen - und ihren exzellenten Wissenschaftlern neben ebensolchen Forschungsbedingungen auch Freiräume, Perspektiven und Netzwerke bieten. Eines müssen die Forscher jedoch selbst aufbringen: Kreativität, Geduld und unstillbaren Forschungsdrang.

Das PICB in aller Kürze:

Das „Partner Institute for Computational Biology“ wurde gemeinsam von der CAS und der MPG nach 30-jähriger Zusammenarbeit im Jahr 2005 in Shanghai gegründet. Rechtlich und administrativ zählt es zur CAS, Struktur und Organisation sowie Gründungs- und Berufungsverfahren entsprechen den Leitlinien der Max-Planck-Institute. Ein international besetzter Fachbeirats sichert durch Evaluationen die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit. Am PICB arbeiten derzeit vier Direktoren, vier Leiter selbständiger Nachwuchsgruppen, sieben Principal Investigators (Arbeitsgruppenleiter), 21 Post-Doktoranden, 60 Doktoranden sowie 29 Mitarbeiter für Technik, Verwaltung und Service.