Zoonose-Experten überwinden Landes- und Fachgrenzen

Zoonosen, also vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheiten, haben in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Chinesische Wissenschaftler konnten nicht zuletzt während der SARS-Pandemie auf diesem Feld wertvolle Erfahrungen gewinnen. Um diese mit hochrangigen deutschen Fachkollegen zu teilen, begaben sich im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahres der Wissenschaft und Bildung 2009/2010 auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vom 11. bis 17. Oktober 2009 zehn namhafte Experten aus dem Reich der Mitte „zusammen auf den Weg des Wissens“ und besuchten führende deutsche Forschungseinrichtungen.

Gemeinsame Herausforderung für Human- und Veterinärmedizin

Bei fast allen gefährlichen neuen Erregern von Infektionskrankheiten – wie etwa Schweinegrippe, SARS oder Ebola – handelt es sich um Zoonosen. Um diese Infektionskrankheiten besser bekämpfen zu können, müssen Human- und Veterinärmedizin eng zusammenarbeiten. Deswegen lud das BMBF zehn ausgewählte chinesische Spitzenforscher aus verschiedensten Bereichen der Zoonosen-Forschung nach Deutschland ein. Dazu gehörte zum Beispiel Prof. Wenjun Liu, Direktor des Key Laboratory für Mikrobiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) in Beijing, der u.a. die Interaktion des Influenza-Virus mit der Wirtszelle untersucht. Vom Key Laboratory für Tier-Biotechnologie der Universität Harbin nahm die Vize-Direktorin Prof. Xiaomei Wang teil. Ein weiterer Gast war Prof. Qijun Chen, Leiter des Instituts für Pathogene Biologie der Chinesischen Akademie der Medizin und des Zoonosen-Forschungsinstituts des chinesischen Bildungsministeriums und der Jilin Universität.

Deutsche Spitzeninstitute stellen sich vor

Die Delegation am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin
Foto: BMBF

Zunächst führte die Delegationsreise zum Friedrich-Löffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, auf der Insel Riems bei Greifswald. Unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Mettenleiter werden am FLI die Gesundheit landwirtschaftlicher Nutztiere und der Schutz des Menschen vor Zoonosen erforscht. Die Auswirkung der Zoonosen auf den Menschen untersucht das am dritten Tag besuchte Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Hier erforschte Robert Koch bereits im 19. Jahrhundert Mikroben als Ursache zahlreicher Infektionskrankheiten. Begeistert bestaunten die chinesischen Gäste Zeiss-Mikroskope, die der Institutsgründer noch selber genutzt hatte. Unweit des Berliner Regierungsviertels hatten die chinesischen Wissenschaftler anschließend im Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie die Möglichkeit, neueste technische Infrastrukturen zu besichtigen. Auf dem traditionsreichen Campus der Berliner Charité wurden sie von Prof. Stefan Kaufmann, Direktor der Abteilung Immunologie, begrüßt.

An der Stiftung Tierärztliche Hochschule in Hannover nahm die Kooperation dann deutlichere Formen an. Präsident Dr. Gerhard Greif betonte das Interesse an bilateraler Kooperation – die TiHo, eine der besten tiermedizinischen Ausbildungsstätten Europas, verfüge bereits über gute Kontakte mit chinesischen Partnern. Dementsprechend angeregt verlief die Diskussion, auch im Anschluss an den Vortrag von Prof. Tingrong Luo, Dekan der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Guangxi. In Münster fand die Reise einen würdigen Abschluss. Nach den Empfängen durch Bürgermeisterin Karin Reismann im Friedenssaal und durch Prorektor Stephan Ludwig im Schloss der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster besuchten die ausländischen Experten das Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE) und das Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin. Insbesondere zwischen dem von Prof. Dr. Ludwig geleiteten ZMBE-Institut für Molekulare Virologie und den vertretenen Instituten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sollen schon bald Kooperationen aufgebaut werden.

Das BMBF fördert den internationalen Austausch

Während ihrer Reise hatten die Teilnehmer außerdem die Gelegenheit, an einem Workshop der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen teilzunehmen. Das vom BMBF geförderte Informations- und Servicenetzwerk bündelt alle in Deutschland aktiven Arbeitsgruppen im Bereich der Zoonosenforschung. Neben Prof. Liu stellte Prof. Mifang Liang vom China-CDC (Chinese Center for Disease Control and Prevention) aus Beijing ihre Forschungsergebnisse dem Fachpublikum vor. Höhepunkt des Delegationsbesuches war schließlich der Empfang im BMBF-Fachreferat Gesundheitsforschung durch Joachim Krebser. Damit unterstrich das Ministerium seine Unterstützung der Fach- und Landesgrenzen übergreifenden Zoonosenforschung. Im Deutsch-Chinesischen Wissenschaftsjahr stehen die Stärkung von Forschungs- und Bildungs-Kooperationen in wichtigen Zukunftsbereichen wie Klima-, Energie- und Gesundheitsforschung im Fokus. Die Delegationsreise konnte einen wichtigen Beitrag leisten, neue Impulse für die Zoonosen-Forschung zu setzen, persönliche Kontakte aufzubauen und die Forschungszusammenarbeit Deutschlands und Chinas intensivieren.