06.04.2009 [Nachricht]

Gemeinsames Wissenschaftsjahr eröffnet

"China ist ein wichtiger Partner Deutschlands in Wissenschaft und Forschung. In Zukunft wollen wir sehr viel enger mit den chinesischen Hochschulen zusammenarbeiten", sagte Forschungsministerin Annette Schavan an der Freien Universität in Berlin. Gemeinsam mit ihrem chinesischen Kollegen Wan Gang gab sie dort am 30. März 2009 den Startschuss zum Deutsch-Chinesischen Jahr der Wissenschaft und Bildung. Die vielfältigen Kooperationen, die in den letzten 30 Jahren gewachsen sind, seien durch Organisationen wie den DAAD ermöglicht worden, sagte die Ministerin auf der Eröffnungsfeier.

Die deutsche Forschungsministerin Annette Schavan und ihr chinesischer Amtskollege Wan Gang besiegeln ihre ZusammenarbeitDie deutsche Forschungsministerin Annette Schavan und ihr chinesischer Amtskollege Wan Gang besiegeln ihre Zusammenarbeit,
Quelle: Andreas Teich/FU Berlin

Beide Minister wiesen darauf hin, dass Wissenschaftler in einer globalisierten Welt an der Lösung derselben Probleme arbeiten. "Zahlreiche Fragen für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit können nur gemeinsam beantwortet werden", sagte Wan Gang. Dies gelte insbesondere für die Themen Klima, Energieversorgung sowie Gesundheit und Ernährung. Chinas Forschungsminister betonte die Anstrengungen, die die chinesische Regierung unternehme, um Forschung und Hochschulen zu fördern. Ziel sei es, Bildung und Wissenschaft auf Weltniveau zu bringen, fügte Professor Zhou Jialun, Senatspräsident der Tongji Universität in Schanghai, hinzu. Dazu habe China ein Förderprogramm für 39 Hochschulen aufgelegt. Auch die Anzahl und Qualität der chinesischen Forschungsinstitutionen sowie wissenschaftlicher Veröffentlichungen in China sei seit den 90er Jahren sprunghaft angestiegen.

China bietet mehr als Sprache und Kultur

China wird in Deutschland immer stärker als wichtiger Forschungsstandort wahrgenommen. Dies zeigt sich laut Klaus Birk, Leiter des Chinareferats beim DAAD, auch am steigenden Interesse deutscher Studierender und Wissenschaftler an deutsch-chinesischen Kooperationsprogrammen. Als Beispiel nennt er die englischsprachigen Doppel-Master, die die RWTH Aachen und die Tsinghua University in Peking in den Fächern Production Engineering und Automotive Engineering anbieten, und die der DAAD mit Stipendien fördert. "Daran nehmen inzwischen mehr deutsche als chinesische Studierende teil", so Birk.

Kultureller Brückenschlag: Der Chinesische Akademikerchor Berlin singt zur AuftaktveranstaltungKultureller Brückenschlag: Der Chinesische Akademikerchor Berlin singt zur Auftaktveranstaltung,
Quelle: Andreas Teich/FU Berlin

Diese Entwicklung will der DAAD im deutsch-chinesischen Wissenschaftsjahr aufgreifen. Noch kommen wesentlich mehr chinesische Studierende nach Deutschland als umgekehrt. Chinesen stellen nach Angaben des Auswärtigen Amtes seit 2000 die größte Gruppe ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen: 27.000 chinesischen Studenten in Deutschland stehen aber nur etwa 3.000 deutsche Studierende an einer chinesischen Hochschule gegenüber (inklusive Kurzstudiengänge).

Doch obwohl die Förderprogramme des DAAD fachoffen ausgeschrieben sind, gehen deutsche Studierende und Wissenschaftler hauptsächlich nach China, um dort Sprache und Kultur zu studieren. "Deshalb wollen wir das Wissenschaftsjahr nutzen, um den vollen Umfang der chinesischen Studien- und Forschungsangebote bewusst zu machen", sagt Klaus Birk. So gebe es beispielsweise in den Biowissenschaften gute Forschungsmöglichkeiten, auch für Architekten und Geowissenschaftler sei das Land interessant. Außerdem würden immer mehr englischsprachige Studiengänge in China angeboten.

30 Jahre Deutschkolleg in Schanghai

Wie solide das Fundament der Kooperation ist, die im gemeinsamen Wissenschaftsjahr ausgebaut werden soll, lässt sich an den vielen Jubiläen ablesen, die derzeit begangen werden: Das Deutschkolleg an der Tongji Universität in Schanghai feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Einrichtung wurde mit Unterstützung des DAAD aufgebaut. Chinesische Wissenschaftler, Ingenieure und Studierende bereiten sich dort auf ihren Aufenthalt in Deutschland vor.

Unter ihnen sind neben den Stipendiaten der chinesischen Regierung Promotionsstipendiaten des DAAD, Studierende des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs (CDHK) und der Chinesisch-Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) – zwei Einrichtungen, die ebenfalls an der Tongji Universität angesiedelt sind. Das CDHK feierte im Oktober 2008 sein 10-jähriges Jubiläum. Mit der Unterzeichnung des 3. Kooperationsvertrages zwischen der Tongji Universität und dem DAAD ist es im vergangenen Jahr auch offiziell vom Status eines Projekts in eine Dauereinrichtung der Universität übergegangen.